Keimlinge oder Sprossen - wahre Energiebündel

Da steh ich nun in meiner Küche - ich habe Hunger!!!! Mir knurrt der Magen, ich bin gereizt, ich will aber nicht Irgendwas - ich hab Lust auf knackiges, frisches Gemüse.

 

Aber wo bekomme ich das im Winter her? Ich weiß, sich im Kreis der Jahreszeiten zu ernähren, würde jetzt heißen, Kraut- und Kohlgerichte, rote Rüben etc. zu essen. Das mag ich aber nicht!

 

Die importierte oder im Glashaus gezüchtete Ware und die Exoten reißen mich auch nicht vom Hocker.

 

Kennst du das, wenn Wickie sich die Nase reibt und es regnet Sterne - ein Geistesblitz!

Jedes Jahr aufs Neue vergesse ich im Winter auf mein Sprossenanzuchtset - dabei sammle ich im Garten schön brav diverse Samen, um sie dann auch zu verwenden.

Warum gerade Sprossen?

Sprossen enthalten die Essenz der Pflanze - nur durch Zugabe von Wasser entfaltet sich das Potenzial des getrockneten Samens.

Sie enthalten unverhältnismäßig viele Vitamine,  hochverfügbare Mineralstoffe, Antioxidantien und einen gewaltigen Reichtum an sekundären Pflanzenstoffen.

Lebendige Enzyme helfen uns bei der Verdauung und beim Stoffwechsel - unsere Zellen danken es mit Vitalität und Energie.

Welche Samen sind zur Anzucht geeignet?

Die wohl bekanntesten Sprossen, die man in vielen Supermärkten zu kaufen bekommt und die man auch vom Chinarestaurant kennt, sind die sogenannten "Sojasprossen". Natürllich kann man auch aus Sojabohnen Keimlinge ziehen, bei uns sind es aber hauptsächlich die Mungobohnen, aus denen  diese Sprossen gezogen werden.

 

Sprossen kann man problemlos auch aus Erben, Linsen, Alfafa, Amaranth, Brokkolisamen, Radieschen, Rettich, Kichererbsen, Kürbissamen und Rucola ziehen,

genauso gut keimen Roggen, Quinoa, Kamut, Kichererbsen, gelber Senf, Sesam und Sonnenblumenkerne.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Gartenkresse!

Wie gelingt die Sprossenzucht?

Die Sprossenzucht ist einfach und günstig, du brauchst weder Garten noch Balkon, nicht mal einen Blumentopf oder Erde - Keimschalen und - gläser gibt es schon sehr günstig zu kaufen.

Es geht natürlich auch ohne diese Geräte, dann benötigst du lediglich ein altes Gurkenglas und ein feines Sieb.

 

Man gibt einige Samen in sein Glas und gießt genügend Wasser dazu, damit die Samen über Nacht quellen können. Am nächsten Tag gießt man das Wasser ab und gibt die abgespülten Samen zurück in sein Glas (dies entfällt bei Keimgläsern, da diese bereits ein Sieb im Deckel haben).

Nun muß man die Samen zwei- bis dreimal täglich spülen, damit sich keine Schimmelsporen oder Bakterien breit machen können.

Je nach Sorte kann man die Sprossen nach 2 bis 14 Tagen ernten.

Samen für mehr Blattgrün

Weizen- oder Gerstengrassaft ist ja in aller Munde - gesund und nahrhaft mag er ja sein, aber schmecken? Ja klar, vieles ist auch Gewohnheit.

Allerdings kann man meiner Meinung nach dieses Gras auch in etwas besserer Form genießen, nämlich in Kombination mit einem Smoothie.

Green smoothies bestehen aus reifem Obst, grünen Pflanzenanteilen und Wasser.

Hier nimmt man das ganze Blatt auf und nicht nur das bisschen Saft, das beim Pressen entsteht.

Wenn man das Weizen- oder Gerstengras nun in der Küche selbst züchten will, gilt die folgende Methode - übrigens gilt dies auch für die Gartenkresse:

Man legt 2 Lagen feuchtes Küchenpapier in eine flache Schüssel und streut die Samen darauf - nun nur regelmäßig feucht halten und einer Ernte steht nichts im Wege.

Wie setze ich Sprossen in der Küche richtig ein?

Sprossen liebe ich persönlich auf einem frischen Bauernbrot mit Butter und Salz, genauso gerne mache ich mir verschiedene Topfenaufstriche und verfeinere sie mit Kräutern und Sprossen.

Mein momentaner Favorit ist Topfen, abgemacht mit etwas Olivenöl (manchmal darf's auch Kürbiskernöl sein), Curcuma, Chili, Pfeffer und Salz. Verfeinert wird dann mit Schnittlauch, Petersil, Kresse, Sonnenblumenkernen (gekeimt oder ungekeimt) oder eben dem, was gerade da ist.

Wie heißt es so schön: "Jene Köche sind besch...., die sich nicht zu helfen wissen!"

 

Willst du allerdings Sprossen einen warmen Gericht beigeben, tu das nach Möglichkeit erst ganz zum Schluss, damit die Nährstoffe erhalten bleiben und die Sprossen auch noch Biss haben.

Für Experimentierfreudige

Die Samen, die ich oben angeführt habe, sind ja noch lange nicht alles, was man keimen kann - Rotklee, Spitzwegerich und ganz viel andere Wildkräuter lassen sich genauso aus Samen ziehen, allerdings wird unsere Geduld manchmal etwas auf die Probe gestellt.

Natürlich werden nur Samen herangezogen, die grundsätzlich roh essbar sind - Nachtschattengewächse und giftige Pflanzen sind hier tabu!

Bei Bohnen und Linsen sollte der Keim eine Länge von mindestens 1 Zentimeter betragen, damit das Phasein abgebaut ist, das für uns Menschen unverträglich ist.

 

Alle Kreuzblütengewächse wie Rettich, Radieschen, Brokkoli, Senf usw. werden dahingehend gepriesen, dass sie freie Radikale im Körper unschädlich machen können.

Sammelwut

Mal sammle ich Fettnäpfchen, mal Erfahrungen,

aber das Kräutersammeln ist meine größte Leidenschaft.

 

Und jetzt ab mit dir in die Küche und die ersten Samen gewässert - erzähl mir von deinen Erfahrungen (auch eventuellen Pleiten) bei der Sprossenanzucht, denn deine Erfahrungen sind für alle wichtig!

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Autorin:

Petra Sandrieser

  • Kräuterpädagogin
  • Waldpädagogin
  • Natur- und Landschaftsführer

Kontakt: petra@petra-silie.at

www.petra-silie.at


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Kommentare: 1
  • #1

    Adrienne (Montag, 18 Januar 2016 06:18)

    Hallo meine liebe Schwester,
    wie immer hast Du die Worte perfekt gewählt und mich früh morgens dazu bewegt meine Mungobohnen zum Keimen zu bringen! Merci!